Haus Kaufmännen
Fertigstellung 2024
mit Claudia Bär


Typologie: Einfamilienhaus
Beauftragung: direkt
Auftraggeber: privat
Zeitraum: 2023-2024

Fotografie: Dominic Kummer


In einem Dornbirner Stadtteil bot sich für eine junge vierköpfige Familie die Gelegenheit, ein eigenes Einfamilienhaus zu realisieren. Die Umgebung ist von einer lockeren, heterogenen Bebauung geprägt. Das Grundstück liegt in zweiter Reihe und wird über einen Privatweg erschlossen. Dadurch entsteht – eingebettet in die lebendige Struktur der größten Stadt Vorarlbergs – ein geschützter Ort des Rückzugs mit hohem Grad an Privatheit.
Die beiden zentralen Vorgaben der Bauherren waren einerseits die Einhaltung eines klar definierten, begrenzten Kostenrahmens und andererseits der Wunsch nach einer konsequenten Verwendung natürlicher Materialien. Somit wurde das Gebäude als Holzbau ohne Unterkellerung konzipiert, da die Bodenbeschaffenheit eine Unterkellerung nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zugelassen hätte. Auch die Garage für ein Fahrzeug wurde als eigenständiger Baukörper geplant. Dadurch konnte das Volumen des Hauptgebäudes kompakt gehalten und im Falle möglicher Kostenüberschreitungen flexibel reagiert werden.

Der Entwurf differenziert bewusst verschiedene Außenräume, die je nach Jahreszeit unterschiedlich genutzt werden können. Die separierte Garage bildet gemeinsam mit dem Haupthaus eine geschützte Hofsituation, die den Eingangsbereich akzentuiert und einen einladenden Aufenthaltsort mit Sitzmöglichkeit schafft. Diese halböffentliche Zone vermittelt zwischen öffentlichem Raum und Wohnen und stärkt die Adresse des Hauses.

Der Grundriss basiert auf einem klar strukturierten Kern, um den sich die Aufenthalts -und Schlafräume organis- ieren. Die Gangflächen wurden auf ein Minimum reduziert, daraus ergibt sich eine hohe Flächeneffizienz, die sowohl den Wohnkomfort erhöht als auch eine kostengünstige Umsetzung ermöglicht.
Der kompakte Aufbau erlaubt zudem eine einfache Erweiterbarkeit sowie eine klare Trennbarkeit einzelner Bere- iche, sodass das Gebäude flexibel auf unterschiedliche Lebensphasen reagieren kann.

Schwellen und subtile Übergänge sollen sicherstellen, dass sich die Räume auch ohne Ausbildung von Trennwänden und Türen voneinander abgrenzen. Die Stube ist leicht versenkt ausgebildet, wodurch eine besondere Intimität ent- steht. Küche und Essbereich sind eng mit dem Außenraum verbunden; von der Küche aus führt ein direkter Zugang auf eine überdachte Terrasse, die als erweiterter Wohnraum dient und witterungsunabhängig genutzt werden kann.

Im nördlichen Bereich des Erdgeschosses sind das Elternschlafzimmer sowie das Bad angeordnet und bilden ein- en ruhigen, klar abgegrenzten Privatbereich. Das Obergeschoss ist den Kindern vorbehalten. Über eine einläufige Treppe gelangt man zum Spiel- und Arbeitsraum und den Kinderzimmern.
Ein Luftraum verbindet den Spielbereich im Obergeschoss mit dem Wohn -/Essbereich im Erdgeschoss. Durch diese Verbindung ist der Wohnfluss nicht nur zweidimensional auf die jeweiligen Geschosse begrenzt, sondern auch dreidimensional spürbar. Offenheit fördert die Kommunikation und stärkt die räumliche Beziehung zwischen den Ebenen.

Die Material- und Oberflächenwahl ist bewusst reduziert und auf natürliche Baustoffe fokussiert. Holz prägt sowohl die Konstruktion als auch große Teile der sichtbaren Oberflächen und verleiht den Räumen Wärme, Klarheit und eine zeitlose Atmosphäre. Das unbehandeltet gebürstete Weißtannentäfer schafft in Kombination mit den Kalk-putzoberflächen einen ausgewogenen Materialmix. Der Lehmputz in den Schlafbereichen verbessert das Raum- klima durch seine feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften und sorgt für eine angenehme Raumluftqualität.

Und so entsteht durch die Kombination dieser vielen unterschiedlichen Einflüsse und Materialien ein Haus ohne Sackgassen, das den wirtschaftlichen Anspruch erfüllt und genug Spielraum zur Anpassbarkeit für spätere Leben- sphasen bietet.
© Architekt Josef Mallaun ZT, 2026